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Was
ist Soziokratie?
Die Soziokratie bietet ein System von Prinzipien und konkreten praktischen
Strategien, um Organisationen aufzubauen und zu steuern.
Die Soziokratie basiert dabei auf
a) dem Prinzip der Gleichwertigkeit in Entscheidungsfindungsprozessen und
b) den Prinzipien der Kybernetik über das Steuern dynamischer Prozesse
(Kybernetik = Wissenschaft, die die Selbstorganisation von Systemen untersucht).
Schwerpunkte der Soziokratie sind unter anderem:
1) Ein konkretes Organisationsmodell, das der traditioniellen Linienstruktur eine Kreisstruktur hinzufügt.
2) Eine Moderationstechnik, mit der ein Kreis zu Konsententscheidungen*
kommt.
3) Der 9-Schritte-Plan, mit dem Arbeitsprozesse effektiv organisiert und
gestaltet werden.
Die Geschichte der Soziokratie
Die Praxis der Soziokratie wurde Gerard Endenburg
Ende der 1960er Jahre entwickelt.
Ausgangspunkt war die gesetzlich vorgeschriebene Einführung eines Betriebsrates in seinem Unternehmen Endenburg Elektrotechniek.
In der ersten Betriebsversammlung konnte er sein eigenes Wort nicht verstehen und suchte nach alternativen Formen der Zusammenarbeit, jenseits der traditionellen Fronten zwischen Betriebsrat und Führungsebene.
Endenburg besuchte die Schule von Kees Boeke, einem niederländischen Sozialreformer, in der die Schüler mitentscheiden konnten und ihre Selbstverantwortung stark gefördert wurde. Diese Erfahrung sowie Anleihen aus der Kybernetik bildeten die Grundlagen seines originellen Organisationsmodells, das er in seinem eigenen Betrieb testete und weiterentwickelte.
Durch die Soziokratie hat jeder Mitarbeiter auf seiner Ebene die Möglichkeit, die Grundsatz und Rahmenbedingungen selbst mitzugestalten. Daneben gibt es fest installierte Rückmeldeschleifen zwischen den verschiedenen Ebenen, so dass die Informationen ungehindert fließen und bei Entscheidungen berücksichtigt werden müssen.
In den siebziger Jahren entstand das Sociocratisch Centrum in Rotterdam
aus dem Wunsch heraus, das in der Praxis erprobte Modell auch anderen Unternehmen
bekannt zu machen. Heute gibt es ca. 50-100 Organisationen in den Niederlanden, USA, Canada und im frankophonen Raum, die eine Vielzahl von Elementen der Soziokratie übernommen haben.
In den Niederlanden ist man schon soweit, dass soziokratische Organisationen keinen Betriebsrat mehr bestellen müssen, da die Mitwirkung der Mitarbeiter durch die Soziokratie gewährleistet ist.
Gerard Endenburg hat damit sein Ziel erreicht.
Heute gibt es vor allem in den Niederlanden eine Vielzahl von Organisationen,
die mit der Soziokratie arbeiten. Dazu gehören z.B.:
* Endenburg Elektrotechniek (Elektroinstallationen / Alarmsicherungen)
* Reekx (Dienstleister für Informationsverarbeitung)
* Fabrique (Werbeagentur)
* De School (alternative Schule)
Vorteile und Nutzen der Soziokratie für eine
Organisation
Die Soziokratie bietet eine Sammlung wirksamer Instrumente, um
• Arbeitsabläufe effektiv zu gestalten
• die Selbstdisziplin und Motivation der Beteiligten zu fördern
• mit Freude und Offenheit kreative Lösungen zu finden
• schnell auf Veränderungen in der Umwelt zu reagieren
• Führung in Gleichwertigkeit zu ermöglichen
• Konflikte nachhaltig zu lösen.
Sie verhilft zu
• effektiven und effizienten Meetings
• geringem Krankenstand
• hoher Eigenverantwortung und Mitdenken im Sinne der Organisation
• hohem Kostenbewusstsein bei den Beteiligten
• hoher Offenheit für Rückmeldungen
• konstruktiver Zusammenarbeit.
Die vier Grundprinzipien der Soziokratie
1.) Das Konsentprinzip*
Grundlage für alle Grundsatz- und Rahmenentscheidungen ist das Konsentprinzip,
d.h. eine Entscheidung gilt nur dann, wenn kein Teilnehmer einen schwerwiegenden
und argumentierten Einwand gegen die Beschlussvorlage hat.
2.) Die Organisation in Kreisen
Der linearen Struktur wird eine Kreisstruktur hinzugefügt. Ein Kreis ist eine Gruppe von Menschen, die innerhalb einer Organisation
ein gemeinsames Arbeitsgebiet haben und an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.
Auf dieser Kreisebene werden alle Grundsatz- und Rahmenentscheidungen getroffen, ausgeführt
und gemessen.
3.) Doppelte Koppelung der Kreise
Die Kreise sind nach oben und unten miteinander über zwei Personen gekoppelt. Der funktionelle Leiter wird im nächsthöheren Kreis gewählt, ein Delegierter im unteren Kreis. Das bedeutet, dass wenigstens zwei Personen eines Kreises
an der Beschlussfassung im nächst höheren Kreis beteiligt sind.
4.) Die soziokratische Wahl von Personen
Funktionsträger und Delegierte werden nach offener Aussprache und mit
Konsent* gewählt.
* Konsent heißt nicht Konsens.
Konsent heißt nicht „Ja, ich stimme zu!“, sondern „Ich
habe kein `Nein`, ich habe keinen schwerwiegenden Einwand dagegen“.
Ein solcher Beschluss wird in dem Kreis gemeinsam und kreativ auf der Basis
von Argumenten gefunden und liegt dann innerhalb des Toleranzbereiches jedes
Mitwirkenden im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel.
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